Aufrunder oder Groschenklauber?

Aufrunder oder Groschenklauber?

Derzeit können wir live miterleben, wie sich ein neues Wort oder vielmehr eine neue Begrifflichkeit in unserem Sprachraum etabliert: der „Aufrunder“ als Bezeichnung für eine Person, die beim Einkauf im Supermarkt einen geraden Betrag zahlt, anstatt sich das Wechselgeld auf den Cent genau herausgeben zu lassen.
„Aufrunder wirken Wunder“ heißt die Kampagne der Caritas, die mit Hilfe mehrerer Supermarktketten umgesetzt wird und bei den KonsumentInnen durchaus Anklang findet: In wenigen Monaten sind durch 548.006 Mal „Aufrunden, bitte“ mehr als 55.490 € für Caritas-Projekte zusammengekommen.

Für Sprachfüchse interessant ist die Frage, ob sich die substantivische Verwendung des altgedienten Zeitworts „aufrunden“ in irgendeiner Form verselbstständigen wird. Zum Beispiel in der Form, dass „Aufrunder“ einmal für Menschen stehen wird, die besonders großzügig und freigiebig sind – oder aber auch für einen Menschenschlag, dem man auf Grund seiner Gutgläubigkeit leicht den letzten Cent aus der Tasche ziehen kann.
Zumindest könnte damit endlich ein würdiger Gegenpol zum berüchtigten Groschenklauber und Pfennigfuchser gefunden sein.
By the way: Wie nennt man die letzteren beiden eigentlich seit Anbeginn der Cent-Ära?

4 Comments

  1. Neonmarker 22. Oktober 2013 at 12:42 - Reply

    Mir ist schon dort und da der Begriff „Centklauber“ untergekommen, aber etabliert ist das nicht wirklich. Habe es im Gegensatz zum Groschenklauber und Pfennigfuchser auch noch in keinem Wörterbuch gefunden. Fährt irgendwie nicht so recht, mit dem harten t und dem zungenschleudernden kl, die da aufeinanderstoßen …

  2. KathyCambridge 24. Oktober 2013 at 10:51 - Reply

    Meines Wissens gibt’s noch keinen Cent- oder Euro-Ersatz dafür. Auch andere Begriffe und Redensarten aus vorvergangenen Münzzeiten dürften sich noch eine Weile halten, zB „jetzt ist der Groschen gefallen“ oder die „Pfennigabsätze“, die wohl nicht so schnell zu Centabsätzen werden; oder „auf Heller und Pfennig zurückzahlen“.

    • Andreas_OffTopic 24. Oktober 2013 at 11:08 - Reply

      Stimmt, Kathy, da gibt es noch einige Relikte aus dem vorigen Jahrhundert, aber andererseits: Welcher Jugendliche würde sagen: „Das zahlst du mir auf Heller und Pfennig zurück!“ oder meinetwegen auch „… bis auf den letzten Groschen …“? Ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis manche dieser Begriffe sich klammheimlich vertschüssen.
      Und die Pfennigabsätze heißen bei uns eher Bleistiftabsätze, oder?
      Doch davon redet zurzeit schon gar keiner, da Plateausohle und klobigere Absätze in sind – und die laufen eher unter „High Heels“, was man als stiller Beobachter, der das alles zum Glück nicht tragen muss, so mitkriegt!

  3. simon_andjelo 30. Oktober 2013 at 15:54 - Reply

    Knauser(er)? Ist aber zugegebenermaßen nicht so bildhaft.
    Andere Frage: Wieso sagt man eigentlich „Sprachfuchs“ zu Leuten, die sich gern in sprachliche Fragen verbeißen? Wo liegt da der Konnex? In der Sprache ja wohl nicht …

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