Die Hotspots der Welt

Die Hotspots der Welt

Die „heißen Stellen“ vermehren sich explosionsartig und bedeuten oft genau Gegensätzliches.

An der Uni Graz werden in den nächsten Wochen wieder das Wort und das Unwort des Jahres gewählt (Österreichisches Wort des Jahres). Ein heißer Anwärter wäre Hotspots.

In der Geologie werden damit seit Jahrzehnten heiße Stellen knapp unter der Erdkruste bezeichnet. Ihre genaue Anzahl ist unklar, durch seismologische Untersuchungen konnten etwa 50 Hotspots identifiziert werden (siehe Abbildung oben).

In jüngster Zeit sind allerdings neue „Hotspots“ wie die Schwammerln aus dem Boden geschossen – mit unterschiedlicher Bedeutung:

Einerseits werden damit soziale, gesellschaftspolitische Brennpunkte bezeichnet, etwa Hotspotschulen, an denen es schon einmal heiß hergehen kann. Diese Bedeutung hat sich anscheinend so weit verselbstständigt, dass der Hotspot nun auch im weiteren Sinn verwendet wird, zum Beispiel für „Engpass“, „Problemstelle“ usw., wie etwa in diesem Beispiel aus einer Regionalzeitung: Beim Hotspot Schule ging es für die Autofahrer nur sehr zähflüssig dahin. Stadteinwärts bildete sich ein Stau,

Andererseits werden damit in letzter Zeit sehr inflationär alle Plätze bezeichnet, an denen es auf andere Weise heiß hergeht, also alle Locations zwischen Berlin und Bludenz, die gerade mehr oder weniger angesagt sind, wenn man ausgehen, chillen (Die sieben besten Open-Air-Hotspots der Wiener) oder sich einfach im Zentrum des jeweiligen Geschehens fühlen will.

Nun sind die „Hotspots“ auch in der Politik angekommen. Anders als die geologisch bislang identifizierten heißen Stellen in der Eifel, in Island und auf der zu Norwegen zählenden Insel Jan Mayen sollen die neuen „Hotspots“ vor allem im Süden Europas entstehen, an der Außengrenze der EU.

Selbst bei redlichstem Bemühen aller beteiligten Staaten ist klar, dass es sich bei diesen Hotspots nicht um angesagte Event-Locations handeln wird. Andererseits sollen sie wohl nicht von vornherein als soziale Brennpunkte gebrandmarkt werden. Also alles in allem keine sonderlich gelungene Bezeichnung für die geplanten Flüchtlingslager.

Höchste Zeit, dass der Begriff durch die Wahl der Grazer Sprachforscher zum Wort/Unwort des Jahres 2015 seinen heißen Höhepunkt erlebt und dann allmählich wieder verglüht.

7 Comments

  1. ConLok 6. Oktober 2015 at 21:40 - Reply

    Stimmt, ist mir jetzt erst so richtig aufgefallen (http://orf.at/stories/2302576/2302577/) und wirklich eine selten unpassende Bezeichnung.

  2. MasterMac 8. Oktober 2015 at 13:45 - Reply

    Das grassiert wie ein Schnupfenvirus! Kein Tag, an dem man nicht mindestens einmal in irgendeinem Text drauf stößt!

    • Elementarweilchen 10. Oktober 2015 at 10:32 - Reply

      Was ist so schlimm dran?

      • Anonym 10. Oktober 2015 at 21:15 - Reply

        Ist einfach ein bissl einfallslos, oder?, und manchmal wirklich danben.

      • Otschen choroscho 10. Oktober 2015 at 22:28 - Reply

        Das ist das neue „Wie heißt das jetzt gach noch mal?“

      • anonym 12. Oktober 2015 at 11:34 - Reply

        Aus dem Poesiealbum:
        „Immer wenn du glaubst,
        es geht nicht mehr,
        kommt von irgendwo ein Wörtlein her.“

  3. Letterman 9. Oktober 2015 at 22:16 - Reply

    Es hotspottet, dass einem nur so die Ohren glühen. Innerhalb kurzer Zeit heute zB:

    „A1 erneut Verkehrs-Hotspot. Wieder zwei Brände …“ http://kurier.at/chronik/niederoesterreich/a1-erneut-verkehrs-hotspot/157.487.736

    und

    „Hot Spot! Innviertel
    Das Innviertel macht Arbeit und Leben attraktiv
    http://innviertel.at/

Leave A Comment