korrekturlesen Korrektur bedeutet, der Text soll sauber,
• ohne Tipp- und Rechtschreibfehler,
• ohne Trennungsfehler an den Zeilenenden in den Satz gehen. Gute Korrektorinnen und Korrektoren achten außerdem darauf, dass
• Abbildungen mit Copyrights oder Bildquellen versehen sind,
• dass Druckseiten nicht mit einer Einzelzeile beginnen oder enden,
• dass Titelhierarchie, Schriftgrößen und Schriftarten bei Autoren-Nennungen, Kastenüberschriften, Telefonnummern usw. innerhalb eines Werks einheitlich sind,
• dass die Inhaltsangabe mit der tatsächlichen Paginierung übereinstimmt,
• dass Kopf- oder Fußzeile zum jeweiligen Abschnitt passen und vieles mehr.

Beim Lektorat wird ein Text auf Herz und Nieren geprüft:
• Sind Aufbau und Gliederung stimmig,
• ist der Inhalt schlüssig,
• stimmt die Titelhierarchie,
• fehlen bestimmte Informationen, bleiben Fragen offen?
• Fakten, Daten und Quellen werden in Absprache mit den Autorinnen und Autoren überprüft oder ergänzt.
Je nach Vereinbarung wird also mehr oder weniger tief in den Text „hineingearbeitet“, bei Bedarf auch stilistisch, indem Sätze oder auch ganze Passagen so umgeschrieben werden, dass Inhalt und Aussage zwar gleich bleiben, die Botschaft aber besser verständlich oder grammatikalisch richtig wird.

Bereits freigegebene Texte
Die Mehrzahl der Gebrauchstexte, wie Broschüren, Folder, Zeitschriften, Jahres- und Geschäftsberichte, kommt allerdings erst zum Lektorat, wenn der Text bereits weitgehend „steht“. Das heißt, er soll zwar grammatikalisch und orthografisch richtig sein, stilistische Eingriffe sind aber nur in Ausnahmefällen und nach Rücksprache erwünscht, da die Texte oft schon von Kolleginnen und Kollegen, anderen Abteilungen, Vorgesetzten usw. freigegeben wurden.

Fließender Übergang
In der Praxis überschneiden sich Lektorat und Korrektur stark, denn auch wenn bei einem richtigen Lektorat üblicherweise noch ein eigener Korrekturdurchgang folgen sollte, werden beim Lektorieren gleich auch die – meisten* – orthografischen Korrekturen übernommen.

Umgekehrt bringt es ein guter Korrektor natürlich nicht übers Herz, eine stilistisch misslungene oder gar falsche Formulierung stehen zu lassen oder ein Datum, einen Namen, der ihm zweifelhaft erscheint, nicht nachzurecherchieren, auch wenn er vielleicht „nur für eine Korrektur“ bezahlt wird.

*Wohlgemerkt: die meisten, nicht alle, denn die Aufmerksamkeit für einen Text unterscheidet sich je nach Lesart: Beim Lektorat wird stärker auf die inhaltliche, stilistische Richtigkeit geachtet, bei der Korrektur erfolgt der letzte Feinschliff hinsichtlich kleinerer Schnitzer.

Sehr oft ist es so, dass Texte auf den letzten Abdruck fertig werden. Wer vorher nicht eine gewisse Zeitspanne für einen Lektorats- oder Korrekturdurchgang eingeplant hat, muss dann aus Zeitdruck seinen Text unkorrigiert in Druck geben.
Davon geht die Welt nicht unter, stimmt – aber es ist trotzdem schade, denn auch wenn die Wertigkeit von orthografisch richtigen Texten vielleicht etwas abgenommen hat, tut es doch weh, wenn den Leserinnen und Lesern nach der vielen Arbeit des Konzeptionierens, Schreibens und Layoutens in einem Titel oder gar auf dem Cover ein peinlicher Fehler ins Auge springt. Oder wenn vergessen wurde, den Blindtext im Vorspann auszutauschen, und im Gastbeitrag eines renommierten Autors die Wörter an den unmöglichsten Stellen getrennt werden. Das gibt unnötigen Ärger und verringert auf einen Schlag die Aussagekraft eines Produkts, auch wenn es noch so durchdacht sein mag.

„Der Autor/die Autorin schreibt ohnedies sehr gut“
Das Hirn arbeitet schneller als die Finger und die Tastatur. Daher passiert es selbst orthografisch und stilistisch geübten Schreibern, dass Buchstaben oder Wörter fehlen oder dass ein Satzteil beim Löschen und Umformulieren irrtümlich stehen bleibt. Außerdem: Selbst wenn der Text perfekt in den Satz oder zur Grafik ging, kann dort noch jede Menge passieren, wie etwa ein Absatz irrtümlich doppelt gesetzt werden, oder ein zu langer Text endet mitten im Satz.

„Da lese ich selbst noch einmal drüber“
Selbst geschriebene Texte werden nach dem Inhalt gelesen. Wenn das Auge über den Text schweift, erfasst es von einem Satz nur einzelne Teile. Das heißt, Wörter und Satzteile werden wie Hüllen wahrgenommen, von denen meist nur die Buchstaben am Beginn und am Ende erfasst werden. Man liest in diesem Fall das, was man lesen möchte – aber nicht das, was dasteht oder eben nicht dasteht. Fehlende Wörter oder Buchstaben fallen somit noch weniger auf als bei fremden Texten.
Dazu kommen die persönlichen Lieblingsverdreher, also Wörter, bei denen man sich regelmäßig vertippt oder bei denen man sich vom einen zum anderen Mal nicht merkt, wie sie richtig geschrieben werden.

„Das lassen wir im Haus von jemandem durchschauen“
So wie in jedem Job braucht es auch bei Lektorat und Korrektur das nötige Wissen – und viel Übung. Korrektorinnen und Korrektoren lesen Texte anders und können auch begründen, warum etwas so besser klingt als andersherum.
Manches, wie etwa die Paginierung, Kästen, Tabellennummern und -unterschriften oder Bildtexte, wird zum Beispiel in eigenen Durchgängen überprüft, verglichen und vereinheitlicht. Auch satztechnische Fragen fallen erfahrenen Korrektoren und Lektorinnen eher auf. Vor allem können sie abschätzen, was vom Layout oder Satz her möglich ist und was nicht. Qualität hört nicht bei guten Deutschkenntnissen auf.

Ich greife nur so weit in Ihre Texte ein, wie Sie das wünschen. Wenn zum Beispiel vereinbart ist, dass der Text inhaltlich oder auch stilistisch genau so bleiben soll, wie er ist, frage ich per Telefon oder E-Mail bei Ihnen nach, falls sich etwas als unklar erweisen sollte oder ein Satzteil fehlt.
Bei Korrekturen/Lektoraten mit Hilfe der Änderungsfunktion im Word können Sie überdies alle Vorschläge nachverfolgen und gegebenenfalls verwerfen.