Höchst kreative Linien

Höchst kreative Linien

Wer mit der Bim zum Beispiel von Dornbach zum Friedrich-Engels-Platz reist, kann vielerlei unterschiedliche Schreibweisen für ein und dieselbe Örtlichkeit lesen. Dabei müssten sich die Redakteure des INFOSCREEN im Zweifel nur an die Wiener Nomenklaturkommission wenden.

Über die Wiener Linien lasse ich nichts kommen! Wer je die Nase über die Landesgrenzen hinausgestreckt hat, weiß, was wir an ihnen haben: zuverlässig, meistens in wenigen Minuten zur Stelle, sicher und für öffentliche Verkehrsmittel erstaunlich sauber.

Probleme? Werden auf die elegante Art geregelt, wie zum Beispiel das Kebab-Problem: Statt Verbot von Speis und Trank in der Bim eine Kampagne gegen „Kebabfresser“ und „Pizzastinker“. Funktioniert erstaunlich gut, keiner will uncool sein.
Oder das Handytelefonieren: Für diejenigen, die nicht ohnedies schon auf ihren eigenen Geräten wischen, wurden in den neueren Garnituren kleine Bildschirme mit bunten Bildern installiert. Gelegentlich ist auch Schrift drauf, muss man aber nicht entziffern können, Hauptsache, es tut sich etwas – und alle sind schön ruhig. Das mag der Wiener, ich übrigens auch 😉 !

Nur bei der Schreibung der Straßennamen und Plätze gäbe es auf der Optimierungsskala noch ein wenig Raum nach oben. Speziell bei den aus Eigennamen zusammengesetzten Stationsbezeichnungen gibt es unterschiedlichste kreative Lösungen mit oder ohne Bindestrichen, mit oder ohne Kommas, manchmal sogar „mit ohne alles“.

 

Dabei gibt es für die Schreibweise der Wiener Örtlichkeiten ein – aus Lektorensicht – geradezu traumhaftes Regelwerk:
Seit 30. Jänner 1981 gelten für die Schreibung von Verkehrsflächenbezeichnungen und sonstigen geografischen Namen die Grundsätze der Wiener Nomenklaturkommission. Diese zeigt zum Glück wenig Hang zu eigenen kreativen Ansätzen, sondern stützt sich auf die Regeln von Duden und Österreichischem Wörterbuch. Für den Friedrich, Engels-Platz oder den Johann Nepomuk Berger,- Platz bedeutet das ganz einfach: Alle Wörter werden mit Bindestrichen aneinandergehängt, Beistriche braucht es nicht. Also:

• Johann-Nepomuk-Berger-Platz
• Friedrich-Engels-Platz

Wer sich noch ein wenig detaillierter mit der Schreibung der Wiener Gassen, Straßen und Plätze befassen möchte, wird hier fündig:

https://www.wien.gv.at/kultur/archiv/nomenklaturkommission.html

 

Den geschätzten MitarbeiterInnen der Wiener Linien ebenso wie meinen KooperationspartnerInnen, KundInnen und LeserInnen wünsche ich harmonische Feiertage und einen guten Rutsch in das Neue Jahr!

Mögen uns 2018 keine gröberen Probleme plagen als die Schreibweise der Wiener Bim- und Busstationen!

 

 

One Comment

  1. sputnik 22. Dezember 2017 at 15:24 - Reply

    Sehr amüsant!

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