Noch Jogger oder schon Läufer?

Noch Jogger oder schon Läufer?

Immer wieder wird der Untergang der deutschen Sprache durch die parasitäre Ausbreitung englischer Lehnwörter beschworen.

Heute einmal ein Gegenbeispiel: Keine Läuferin, kein Läufer, der seinen Sport ernst nimmt, würde sich Jogger schimpfen lassen. Jogging oder Joggen war einmal, in den lange vergangenen 80ern. Heute ist das etwas für AnfängerInnen, für DahinschleicherInnen, für BenützerInnen des Pannenstreifens auf der Prater-Hauptallee, für 7-Minuten-pro-Kilometer-Schnecken. Kein Absolvent des Vienna City Marathons oder überhaupt irgendeines Marathons, und sei es nur ein halber, würde sich Joggingschuhe kaufen oder ein Joggingtraining absolvieren, sondern zum Trainieren aufs Laufband steigen, dabei ein Laufbuch lesen und mindestens einmal pro Woche seine Laufgruppe treffen.

Retrobegriff Waldlauf

Unentschieden ist die Sache noch beim Trailrunning: Das, was früher der Waldlauf war, kommt mitunter immerhin in der Hybridform Traillauf daher, aber der Retrobegriff hat sich noch nicht wieder durchgesetzt.

Nach dem Gehen: Ausgewalkt wie ein Strudelteig

walkenEher entschieden scheint die Sache beim Gehen zu sein: Walken oder Walking ist von der Begrifflichkeit her eindeutig mit mehr Sportsgeist verbunden und wird eifrig dekliniert und subjektiviert. Zum Beispiel: einen Preis erwalken, eine ganze Strecke durchwalken, die Walking-Stöcke richtig einsetzen und am Ende schön gemütlich auswalken.

Warum sich der eine Lehnbegriff durchgesetzt hat und der andere wieder verdrängt wurde – keine Ahnung. Das ist eben das Schöne an der Sprache, dass sie sich immer wieder verändert und eigenen Gesetzen gehorcht.

 

Bildausschnitt 1 aus: http://www.fitforfun.de/sport/laufen

Bildausschnitt 2 aus: http://derstandard.at/2000012497392/Hilf-dir-selbst-dann-hilfst-du-anderen-Oder-umgekehrt?_slide=1

7 Comments

  1. norphra 16. Juni 2015 at 10:17 - Reply

    Auch das Air-Conditioning hat sich nicht wirklich durchgesetzt. „Klimaanlage“ sagt sich offenbar leichter, obwohl beides fünf Silben lang ist. Gilt mE auch oder vor allem vor die Adjektivform: (voll-)klimatisierte Räume, … Vielleicht ist hier auch die Dekliniererei zu undurchschaubar: Air-Conditioning oder Air-Condition, air-conditioned oder air-conditioniert?

  2. simon_adjelo 13. Juli 2015 at 9:20 - Reply

    … „Pannenstreifen auf der Prater-Hauptallee“ – LOL! Ist das der Pferdestrip oder der noch weiter außen?

    • Susanne Spreitzer 17. Juli 2015 at 23:35 - Reply

      Der noch weiter außen, hätte ich gesagt. Der Trabweg scheint mir noch integraler Bestandteil der Hauptallee zu sein, oder?

  3. Wolke17 20. Juli 2015 at 9:15 - Reply

    Die Fit-for-Fun-Partie könnte sich auch ein Korrektorat leisten: Der sie-Fehler im Vorspann ist unnötig.

    • Letterman 20. Juli 2015 at 18:30 - Reply

      Weiß nicht, wie es im Heft aussieht, aber die Online-Sachen müssen oft huschhusch raufgeladen werden. Da rutscht sicher mehr durch, weil auch ein wenig die Devise herrscht: „Ist eh nur für Online – wen kümmern da Rechtschreibfehler?“

      • Otschen choroscho 21. Juli 2015 at 12:54 - Reply

        Dabei stehen die Online-sachen mittlerweile viel länger zur Verfügung als eine Zeitung oder ein magazin. Wer liest ein printprodukt paar wochen nach Erscheinen?

  4. […] Verben werden seit geraumer Zeit mit Begeisterung ins Deutsche übernommen. Joggen, surfen, checken, abcashen, leasen, designen oder relaxen, aber auch Komplizierteres wie recyceln […]

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