Das Buruschaskische ist reich an diffizilen Wortmalereien und Anlehnungen an die Natur – kein Wunder in diesem Ambiente.

Neulich bin ich zufällig auf ein Lexikon des Buruschaskischen* gestoßen. Es ist immer bedauerlich, wenn sich Wissenslücken auftun, aber in unseren Breitengraden ist es wahrscheinlich verzeihlich, nicht zu wissen, wo diese Sprache gesprochen wird. Schließlich liegt ihr Verbreitungsgebiet ziemlich weit von uns entfernt, im Karakorumgebirge des nördlichen Pakistans.

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Im Bagrote-Tal (links) am Fuße des Karakorumgebirges und im idyllischen Yasin-Tal (unten) wird Buruschaskisch gesprochen.
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Außerdem handelt es sich beim Buruschaskischen laut Sprachforschung um ein isoliertes Idiom, das nur von rund 100.000 Personen angewendet wird und mit keiner anderen bekannten Sprache der Erde genetisch verwandt ist.**

Immerhin: Nun wissen wir das auch.

Gefesselt haben mich aber doch die zahlreichen Sprachbilder und fein differenzierenden Ausdrücke. Greift man willkürlich ein paar zum Beispiel aus dem Buchstabenpaar G – H heraus, findet man so interessante Begriffe wie

„guasa“ für eine mondhelle Nacht, nicht gleichzusetzen mit einer Vollmondnacht,

• „gitaragát man“ für undeutlich murmeln, während

• „gitgút/gitgát/gutgát/gumgám man“ für leise zornig murmeln oder (vor Zorn) nichts Vernünftiges herausbringen steht,

• „ham ét“ wiederum erinnert zumindest lautmalerisch an unser „hamham“, bedeutet es doch mit offenem Maul aufs Fressen zugehen (Tiere), den Mund zum Essen öffnen, den Mund aufsperren, und wenn man die folgenden zwei Wörter mit entsprechend Nachdruck und Strenge hervorstößt, kann man sich ganz gut vorstellen, dass

• „gókuracue gusús“ für den schönen Fluch „Die Raben sollen dich fressen!“ steht.

Und was bei gänzlich fremden Sprachen das Schönste ist: So weit weg können sie geografisch, semantisch und linguistisch gar nicht sein, dass man nicht den ein oder anderen „false friend“ findet. Sollten Ihnen zum Beispiel Buruscho-Kinder einmal „káka, káka“ nachrufen, nehmen Sie das nicht persönlich. Sie betteln nur um Naschereien.

* Hermann Berger: Die Burushaski-Sprache von Hunza und Nager, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1998

** Gregory D.S. Anderson: Burushaski. In: Brown, K. and Ogilvie, S. (Hrsg.) Concise Encyclopedia of Languages of the World, S. 175-179.