Sonne, zwei Bretter und jede Menge glitzerndes Weiß – selbst bei frühlingshaften Temperaturen gibt es ein paar Unverdrossene, die sich in die Berge hinaufkämpfen. Dort passiert dann im Zeitalter des Vierersessellifts das, wovor man aus dem dicht verbauten Gebiet geflüchtet ist: Man bildet mit völlig Fremden kurzfristig eine unfreiwillige Schicksalsgemeinschaft.

Manche genießen in diesen Momenten des Über-dem-Abgrund-Schwebens das, wofür während des Skifahrens keine Gelegenheit ist: die Landschaft, die Sonnenstrahlen, den Ausblick, die Ruhe zwischen der Lärmbeschallung im Tal und der Krawallmusi am Gipfelhaus.

Die anderen tauschen sich über Nah- und Fernliegendes aus, blödeln herum oder streiten eine Runde, zum Beispiel so:

„Pass doch auf! Dauernd hast du deine Schi auf meine Schi liegen.“

„Geh, bitte! Ich bin doch nur kurz angekommen. Und außerdem heißt das: deine Schi-er auf meine Schier.“

„Ja, sicher! Du schreibst wahrscheinlich die Schi-er auch noch S-k-i-e-r!“

 

Wenn man zur Kategorie der Genießer gehört, mischt man sich in solchen Fällen nicht ein. Aber Lektorinnen und Lektoren sind von Berufs wegen Einmischer, selbst über dem Abgrund.

Richtig sind nämlich beide Varianten oder vielmehr alle viere:

die Schi wie die Schier und die Ski wie die Skier.

Letztere sind ein Import aus Norwegen und wurden schon vor Ewigkeiten eingedeutscht.

Bei der Pluralform „die Schi“ schreibt der Duden zwar noch: „selten“. Aber wann hört man heute noch: „Ich brauche bald einmal neue Schier“ oder „Sie können die Schier im Skikeller abstellen“ ?

 

Also, beide Streithansln auf dem Lift bekamen Recht – und über das fehlende Dativ-n bei „meine Schi“ breitete sich im wiedergewonnenen Frieden genüsslich der hochalpine Mantel des Schweigens.