Skiliftgespräche

Skiliftgespräche

Sonne, zwei Bretter und jede Menge glitzerndes Weiß – selbst bei frühlingshaften Temperaturen gibt es ein paar Unverdrossene, die sich in die Berge hinaufkämpfen. Dort passiert dann im Zeitalter des Vierersessellifts das, wovor man aus dem dicht verbauten Gebiet geflüchtet ist: Man bildet mit völlig Fremden kurzfristig eine unfreiwillige Schicksalsgemeinschaft.

Manche genießen in diesen Momenten des Über-dem-Abgrund-Schwebens das, wofür während des Skifahrens keine Gelegenheit ist: die Landschaft, die Sonnenstrahlen, den Ausblick, die Ruhe zwischen der Lärmbeschallung im Tal und der Krawallmusi am Gipfelhaus.

Die anderen tauschen sich über Nah- und Fernliegendes aus, blödeln herum oder streiten eine Runde, zum Beispiel so:

„Pass doch auf! Dauernd hast du deine Schi auf meine Schi liegen.“

„Geh, bitte! Ich bin doch nur kurz angekommen. Und außerdem heißt das: deine Schi-er auf meine Schier.“

„Ja, sicher! Du schreibst wahrscheinlich die Schi-er auch noch S-k-i-e-r!“

 

Wenn man zur Kategorie der Genießer gehört, mischt man sich in solchen Fällen nicht ein. Aber Lektorinnen und Lektoren sind von Berufs wegen Einmischer, selbst über dem Abgrund.

Richtig sind nämlich beide Varianten oder vielmehr alle viere:

die Schi wie die Schier und die Ski wie die Skier.

Letztere sind ein Import aus Norwegen und wurden schon vor Ewigkeiten eingedeutscht.

Bei der Pluralform „die Schi“ schreibt der Duden zwar noch: „selten“. Aber wann hört man heute noch: „Ich brauche bald einmal neue Schier“ oder „Sie können die Schier im Skikeller abstellen“ ?

 

Also, beide Streithansln auf dem Lift bekamen Recht – und über das fehlende Dativ-n bei „meine Schi“ breitete sich im wiedergewonnenen Frieden genüsslich der hochalpine Mantel des Schweigens.

8 Comments

  1. Alberto 20. Januar 2014 at 23:40 - Reply

    „Schi oder Ski“ ist ja noch eine leichte Übung. Aber die ganzen Zusammensetzungen! Seit der Rechtschreibreform kennt man sich da überhaupt nicht mehr aus. Ski fahren, Skifahren gehen, skifahren können … merke ich mir nie, wann jetzt was wie gehört!

    • Andreas_OffTopic 23. Januar 2014 at 14:50 - Reply

      Absolut richtig! Wie wär’s mit einem kleinen zusammenfassenden Nachtrag, Frau Spreitzer?

  2. norphra 21. Januar 2014 at 0:17 - Reply

    Schönes Bild … wo ist das?

    • alicesays 21. Januar 2014 at 0:54 - Reply

      Will auch hin!

    • KathyCambridge 21. Januar 2014 at 23:34 - Reply

      Sehr nahe kann es nicht sein – liegt ja nirgendwo Schnee, oder?

    • Susanne Spreitzer 22. Januar 2014 at 0:46 - Reply

      Hochkar mit Blick Richtung schneefreiem Nordosten!

  3. Fredriksonsdottir 21. Januar 2014 at 15:58 - Reply

    Skiliftgespräche sind super. Hab mich neulich recht amüsiert.
    1 junger Skifahrer, 1 mutige Snowboarderin, eine vorsichtige Snowboarderin, ich mittendrin:
    Die Mutige: „Fahren wir die Schwarze?“
    Die Vorsichtige: „Ich weiß nicht, sieht ziemlich eisig aus!“
    Er: „Das ist ja grad die Tschellensch. Aber wennst ganz rechts fahrst, ist es weniger steil.“
    Die Mutige: „Oder tumma Frireidn?“
    Die Vorsichtige: „Puh, wenn ich da runterschau und die Steine seh, da fällt mir gleich der Schumacher ein!“
    Er: „Na, an sowas darfst nicht denken! Beim Skifahren musst den Kopf komplett freimachen!“
    Die Vorsichtige: „Ja, du hast leicht reden: Du hast von vornherein wenig drin!“

    • Buchstabensuppe 21. Januar 2014 at 18:30 - Reply

      Pöse, pöse, aber leider nur zu wahr: Gewinne immer mehr den Eindruck, dass viele beim Kauf der Skikarte ihr Hirn als Einsatz bei der Kassa lassen. Tempo und Wahnwitz auf den Pisten haben in den vergangenen Jahren ziemlich zugenommen, gemütliche Genussfahrer gibt’s immer weniger. Aber: Es lässt sich natürlich darüber streiten, was Genuss ist …

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