Türkis, türkises oder türkisfarbenes Wasser?

Türkis, türkises oder türkisfarbenes Wasser?

„Wie ist das jetzt? Im Wörterbuch steht, man muss entweder schreiben: ein orange Cover oder ein orangefarbenes Cover. Aber eigentlich sagt doch jeder: ein oranges Cover. Ist das wirklich falsch?“, fragte kürzlich eine Kundin.

Nein, falsch ist es nicht – oder nicht mehr.

Lange Zeit herrschte aber unter den Farben eine strenge Klassengesellschaft:

• First Class waren die „heimischen“ Grundfarben mit nur einer Silbe unterwegs: weiß, blau, gelb, schwarz, rot, grün, … Sie konnten nach Lust und Laune dekliniert und gesteigert werden: ein gelbes Auto, in schwärzester Nacht, roter/röter als Blut.

• In die Economy Class wurden jene Farbadjektive verwiesen, die aus anderen Sprachen oder von Substantiven übernommen wurden und meist, aber nicht immer aus mehreren Silben bestanden: orange, rosa, lila, türkis, beige, creme, ocker, oliv, … Sie durften streng genommen nicht dekliniert und schon gar nicht gesteigert werden. Möglich waren hier nur die Varianten

• ein türkisfarbenes Cover oder

• ein türkis Cover

 

Weil Ersteres ein wenig altvaterisch anmutet oder zumindest umständlich wirkt (Stichwort „Sprachökonomie“) und Zweiteres in Anbetracht der deklinierten First Class („weißes“, „blaues“ usw.) einfach unlogisch klingt, setzen sich immer mehr die Deklinationsformen der Grundfarben durch und gelten mittlerweile als gebräuchlich:

das schwarze Cover –> das türkise Cover

ein weißer Schal –> ein beiger Schal

ein grünes Tattoo –> ein pinkes Tattoo

 

Eine Ausnahme – wie könnte es in der deutschen Sprache anders sein – bilden lila und rosa. Dort hat sich wiederum die nicht deklinierte Form durchgesetzt: das lila Kleid.

Wenn man sich irgendwo nicht sicher ist, kann man immer noch das -farben dranhängen (ein cremefarbener Gummistiefel).

Vermeiden sollten Sie auf jeden Fall die nach wie vor umgangssprachliche und nicht korrekte Form mit –ne(n) hinten dran:

das lilane Kleid

die orangenen Strümpfe

9 Comments

  1. Elementarweilchen 4. Juni 2014 at 22:10 - Reply

    Und wo genau ist jetzt dieses schöne türkis Meer beheimatet?

  2. Andreas_OffTopic 6. Juni 2014 at 11:19 - Reply

    Wie sagen eigentlich Norddeutsche zu orange?

    • Wild Wild Wolf 6. Juni 2014 at 12:12 - Reply

      apfelsinig

    • norphra 6. Juni 2014 at 12:45 - Reply

      orangsch

    • Dörtjes 6. Juni 2014 at 17:13 - Reply

      Irgendwie ein Glück, dass sich für die Orange „Apfelsine“ eingebürgert hat und nicht Pampelmuse.
      Man stelle sich vor: „Die untergehende Sonne färbte den Himmel pampelmusig.“

      • norphra 16. Juni 2014 at 10:50 - Reply

        stimmt. „apfelsinig“ hat eindeutig mehr poesie.

  3. buchstabensuppe 8. Juni 2014 at 18:27 - Reply

    Nachdem die Orange in unseren Breiten noch nicht so lange bekannt ist: Wie hat man früher zu der Farbe gesagt?

    • letterman 8. Juni 2014 at 23:08 - Reply

      Angeblich bezeichnete Goethe diese Farbe in seinen „Schriften zur Farbenlehre“ als „rothgelb“ oder „gelbroth“.

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