Von der Konzernzentrale zum Sorgenzentrum

Von der Konzernzentrale zum Sorgenzentrum

Autsch, das tut weh: Da wird aus der Konzernzentrale auf der deutschsprachigen Website ein Concerncentre auf der englischsprachigen Seite, also ein „Sorgenzentrum“ oder eine Art „Anlaufstelle für Probleme aller Art“!

Ob das der Kunde, mit dem hier stolz geworben wird, gern sieht?

Hoffen wir, dass es nicht auf die Kappe eines menschlichen Übersetzers geht, sondern auf einen der seit Jahrzehnten nicht wirklich überzeugenden Übersetzungscomputer.

Derzeit ist die Automatisierung in der schreibenden Branche wieder stark in aller Munde. Roboterjournalismus ist das neue Schlagwort: Man gibt ein paar Daten vor und der Robo-Reporter schreibt den Artikel dazu.

Ah ja. Hoffentlich funktioniert das besser als die automatischen Übersetzungen. Und die Rechtschreib-Korrekturprogramme, die uns im Word oder beim SMS-Tippen manchmal zum Wahnsinn treiben, wenn man sie nicht ohnehin längst abgeschaltet hat. Gerade beim Korrektorat (ganz zu schweigen vom Lektorat) setzen viele in der Print-Branche nach einigen überraschenden Ergebnissen wieder auf leibhaftige i-Tüpfelreiter:

„… nur mehr Kollege Computer in die Tasten greifen zu lassen, habe sich nicht bewährt. ,Mittlerweile sind wir Gott sei dank wieder zu einem Korrektor aus Fleisch und Blut zurückgekehrt – er ist einfach besser'“,

wird etwa Tino Teller von der Zeitschrift NEWS in der neuesten Ausgabe des Werbe-Oscar-Magazins ADGAR zitiert.

„Die Maschine kann uns gut unterstützen, die Endfertigung muss vom Menschen kommen“,

so Teller weiter.

Man darf gespannt sein, was die Robo-Reporter in nächster Zukunft so vorlegen werden: mehr earns für die Konzerne oder mehr concerns für die Redakteure.

10 Comments

  1. Dschidschejwischer 3. März 2015 at 19:54 - Reply

    Jaja, die berühmten „False Friends“ … Einmal kurz nicht ganz bei der Sache, and there you have the salad!

    • kkeekk 8. März 2015 at 11:41 - Reply

      Jeezz, so a cheese!

  2. ConLok 3. März 2015 at 21:18 - Reply

    Das ist der Käse, wenn man ins Englische übersetzt: Fast jeder versteht’s irgendwie ein bisschen oder fühlt sich sowieso als halber Native Speaker, weil schon ab der Krabbelstube mit Englisch aufgewachsen oder die philippinische Kinderbetreuerin sprach „nur Englisch!“ usw. … und so weiß jeder immer viel besser, wie’s sein müsste!

    • Gekauft 3. März 2015 at 23:07 - Reply

      Deswegen übersetze ich auch nicht mehr ins Englische. Keine Debatten mehr mit Kunden, die gerade so lala Englisch sprechen, ob der Text nicht doch ein wenig „frecher“ oder „gehobener“ oder was auch immer klingen sollte.

    • Tupac_4ever 4. März 2015 at 7:12 - Reply

      Das BEste war unser Englischlehrer in der Unterstufe: Zwei echte Muttersprachler in der Klasse, und natürlich können die auch jede Menge Feheler machen, aber die waren oder sind richtig gut, auch in Deutsch. Und er versuchte sie immer runterzukorrigereien, bis er zumindest einn 3er geben konnte. Loser!

    • Anonym 4. März 2015 at 8:37 - Reply

      Aber das „Concerncentre“ scheint ja ziemlich sicher einem Übersetzungscomputer entsprungen zu sein. Niemand, der halbwegs Englisch spricht und in einem wirtschaftlichen Umfeld tätig ist, würde das verwenden, oder?

      • ElPass 4. März 2015 at 9:28 - Reply

        Darauf würd ich jetzt nicht wetten! Oder vielleicht nur zum Teil.
        Der Vertriebler sagt: „Chef, gerade hat einer aus Kerrimääken angerufen; gestern war einer aus Abu Dhabi dran und vorige Woche wer aus Uppsala. Schön langsam brauchen wir die Homepage auf Englisch, sonst versteht keiner was!“
        „Auf Englisch? Ah, das mach ich mir selber“, sagt sich der Geschäftsführer, den das Business schon etliche Male ins englischsprachige Ausland gebracht hat. Und weil er kein Blöder nicht ist, lässt er sich von den Übersetzungsprogrammen im Internet unterstützen. Voilà!

  3. Letterman 4. März 2015 at 9:51 - Reply

    Gibt es das zitierte Interview oder das „ADGAR“-Magazin im Internet zum Nachlesen?

    • Susanne Spreitzer 8. März 2015 at 19:11 - Reply

      Leider noch nicht, aber in wenigen Tagen findet die ADGAR Gala mit den Preisverleihungen statt. Sobald das Magazin online ist, werde ich den Link ergänzen!

    • Susanne Spreitzer 26. März 2015 at 9:59 - Reply

      Hier kann das neue ADGAR Magazin downgeloaded werden: http://www.voez.at/b1797m98

Leave A Comment